Reinhard Kocznar, Schriftsteller

Eine Freundin, begeisterte Radfahrerin, versprach sich einmal und meinte statt "Autofreier Sonntag" versehentlich "Fahrradfreier Sonntag". Ich fand sofort, dass diese Idee Charme hat.

Die Erstickung
Die Erstickung
Thriller

Edition KoCheck, 2011, Hardcover, 768 Seiten
€ 18,50
ISBN 978-3-9502628-3-4


 

Weiters:

 

Für einen fahrradfreien Sonntag

Über die Gründung der Selbsthilfegruppe "Fahrradfreier Sonntag" 

Ich bekenne. Lange Zeit hielt ich Radfahrer für Terroristen. Das sind diejenigen, die im Gegensatz zu Touristen Sympathisanten haben, und zwar nicht wenige. Ich ärgerte mich, wenn sie am Gehsteig fuhren, über den Zebrastreifen, gegen die Einbahn, im Park und natürlich im Wald.

Dass sie auf Spazierwegen hinter einem daherkommend so früh klingeln wie ein BMW-Fahrer auf der Autobahn schon kilometerweit zurück im Rückspiegel blinkt, auch wenn man beileibe nicht kriecht, ärgerte mich maßlos. Klammheimlich hoffte ich, dass man Kennzeichen wie bei Autos einführen sollte, um dem Unwesen Herr zu werden. So war ich, und nicht besser. Heute bin ich geläutert, weil ich den wahren Wert der Sache erkannt habe. 

Mindestens ein Ministrant der Gesundheit ... 

Wer aufs Fahrrad steigt, der leistet einen Dienst an der Gemeinschaft, und ist es nicht klar, dass Gemeinnutz vor Eigennutz kommt? Er tut nicht mehr und nicht weniger, als die Volksgesundheit zu heben, indem er Rad fährt und sich körperlich ertüchtigt. Damit wechselt er seinen sozialen Status, man ist fast ein Priester, mindestens aber Ministrant der Gesundheit, die ja unser allerhöchstes Glück ist. So jemand muss einfach ein paar Privilegien haben, die seine Mühsal ausgleichen und den sozialen Rang gebührend erkennen lassen.

Dennoch - Vernunft kann vieles, aber gegen meine angeborene Sauerstoffallergie kommt sie nicht an. 

Die Selbsthilfegruppe "Fahrradfreier Sonntag" 

So stehe ich hier als neues und vorerst einziges (Gründungs-)Mitglied der Selbsthilfegruppe "Fahrradfreier Sonntag". Über Anerkennung der Minderheit und Förderung aus einem Sozialtopf zu rechten wäre noch verfrüht, aber dahingehend werde ich noch Erfahrung sammeln und dann meine legitimen Ansprüche stellen. 

Bislang kenne ich Selbsthilfegruppen aus dem Film Fight Club und - etwas lustvoller - aus China Blue. Letzteres muss ich noch durchdenken.

Die Gründung der Bewegung hängt natürlich mit dem Frühlingsbeginn zusammen, was die Radfahrer wieder in Scharen aus den Fitnessstudios- und Bräunungstempeln (nur die Hautfarbe betreffend) locken wird. Weil man damit überall hin kommt, werden sie dann auch überall zu finden sein, ausgenommen die Wand ist senkrecht bis überhängend. Abgesehen von der übernommenen jüdisch-griechischen Kultur kommen unsere Vorfahren aus dem Wald, den ich als kulturelles Erbe betrachte.

Mit dem Rad durch den Wald zu düsen empfinde ich schlicht als Entweihung, für das Erlebnis (man hat auf dem Rad ohnehin den Tunnelblick) würde ein Fahrradtrainer vor der Bildtapete auch genügen. Kopftücher und Goldhauben sind durch moderne Papageiendressen abgelöst, heute fährt eine Familie einheitlich gekleidet auf dem Rad zu neuer Fitness.

Heidegger sagt, Verzicht nimmt nicht, Verzicht gibt. Ich bin bescheiden und brauche nicht so viel, deshalb will ich nicht verzichten. Allen anderen empfehle ich aber die Gnade des Verzichts, um dadurch noch mehr zu bekommen.

Am besten ein sonntäglicher Verzicht auf das Fahrrad. 

Übersicht

Die Kriegserklärung
Fahrradfreier Sonntag
Fiat Lux
Der teuflische Plan
Zukunft
 EU-upgrade
 Wo der Rauch aufgeht...
 
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Reinhard Kocznar, Innsbruck
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  Bearbeitet im August 2011, FotografieKocznar, VersicherungsmaklerKoCheck Communications