REINHARD KOCZNAR

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MACHTBLIND - Ein Innsbruck-Krimi

MACHTBLIND

Ein Innsbruck-Krimi

Zahltag Finanzchef Albert Heller lebt in einer Welt, in der Fachkenntnisse durch akademische Grade ersetzt und in der Zahlen beliebig interpretiert werden. Mit einem Investor in der Hinterhand will Heller seine eigenen Pläne im Unternehmen durchsetzen und den Vorstand beseitigen.

Für den großen Coup, den er als Finanzierungsprojekt tarnt, holt er Vermögensdienstleister Paul Prokop als Berater an Bord, dem er seine wahren Absichten jedoch verschweigt. Sein Plan scheint vorerst aufzugehen. Doch er hat die Rechnung ohne Prokop gemacht.

Leseprobe ...

Presse & Rezension

SILVIA ALBRICH Rezension 2016 Tiroler Kronenzeitung April 2016 Neue Südtiroler Tageszeitung Helmuth Schönauer

Details

Machtblind
ein Innsbruck-Krimi
Gmeiner Verlag 2016
312 Seiten
ISBN 978-3-8392-1837-2

LESEPROBE


Ein Beamter von etwa fünfzig Jahren empfing mich. Er hatte ein wenig angesetzt, seinen Kopf zierte eine eher struppige, angegraute Haarpracht, die er wohl schwer unter die Mütze brachte. Auf dem Schild stand Pirker, er wirkte nicht unfreundlich. Im Augenblick sah er ernst aus. Zu ihm hatte sich eine Kollegin in Zivil gesellt, die zuvorkommend wirkte. Sie hatte kein Namensschild am Tisch. Die Beamtin war ein wenig jünger als ihr Kollege, dunkle Haare umrahmten ein freundliches Gesicht.

Sie nahm meinen Ausweis entgegen und musterte ihn.

„Wie alt ist das Bild?“

„Keine Ahnung, ein paar Jahre?“

Sie tippte in den Computer und gab mir den Ausweis zurück.

„2003“, sagte sie und lächelte. „2003 oder früher.“

Ich betrachtete mich als zeitlos, aber das musste ich ihr nicht erklären. Sie habe früher ‚Pass’ gemacht, erklärte sie und habe einen Blick dafür. Das war mir aufgefallen. Die beiden spielten hier netter Bulle und harmloser Bulle, nichtsdestoweniger bekam ich einen Stapel an Papieren, die mich über die Prozedur aufklärten.

„Geht in Ordnung, ich bin informiert.“

„Sie sind mit einer Anwältin liiert?“, fragte sie, und ich verzog das Gesicht, aber nur wenig. Sie interpretierte mich richtig, ich konnte den Ausdruck ‚liiert’ nicht leiden. Die Papiere musste ich dennoch lesen.

„Herr Prokop“, begann Pirker und musterte mich über die Brille hinweg, „wo waren Sie heute zwischen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr?“

„Oh“, sagte ich und war nicht überrascht, „in meinem Büro. Allein.“

„Dann kann das also niemand bezeugen?“, setzte er hinzu, als ob er davon ausgegangen wäre.

„Ich fürchte, nein. Ich kann nicht einmal ein Systemprotokoll aus dem Computer vorweisen, den habe ich nicht verwendet, ich habe ein Buch gelesen.“

Die beiden schwiegen eine Weile. Die Beamtin fragte: „Welches Buch?“

„Ich habe eine Faksimileausgabe eines Buches aus dem Jahr 1739 ergattert, sie lag noch im Büro.“

„1739? Das ist lange her.“

Ich nickte. In der fraglichen Zeit war ich von allem weit weg gewesen, was sich auf der Erdoberfläche ereignet hatte.

„Welcher Art ist Ihre Beziehung zu Magister Albert Heller?“, begann Pirker wieder.

Aus einem rätselhaften Grund wunderte ich mich nicht. Plötzlich war Albert doch da, allerdings in der Frage eines Polizisten, der mich spät abends auf den Posten bestellt hatte.

„Er hat mich als externen Berater für ein Finanzierungsprojekt hinzugezogen“, erklärte ich, „letztes Jahr im Sommer.“

Pirker nickte, seine Kollegin lächelte.

„Wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?“, setzte er fort.

Ich zuckte die Achseln und überlegte. Das letzte Treffen war unerfreulich verlaufen.

„Daran werden Sie sich doch erinnern: wann haben Sie ihn zuletzt gesehen?“

„Gestern. Wir haben am Firmenparkplatz gesprochen.“

Pirker betrachtete den Bildschirm. Er musste den Akt auswendig kennen, dennoch studierte er ihn gründlich.

„Ist er tot?“, fragte ich.

Der Polizist lehnte sich zurück. Sein Hemd spannte, ein Knopf buchtete sich ein. Der Faden hielt noch. Ich überlegte, welche Austrittswunde ein Hemdknopf verursachen würde.

„Wer soll tot sein?“, fragte er ruhig.

„Albert Heller, ist er tot?“

„Wie kommen Sie darauf, dass er tot ist?“

Jetzt musterten mich beide eingehend. Ich schüttelte unwillig den Kopf.

„Welchen Sinn hätten diese Fragen sonst? Wir hatten einen Termin. Er ist nicht gekommen, und er hat nicht abgesagt. Das nahm er sehr genau. Noch am selben Abend werde ich zur Polizei gerufen und gefragt, wie mein Verhältnis zu ihm ist und wann ich ihn zuletzt gesehen habe. Ist er tot?“

Sie sahen mich weiterhin unverwandt an.

„Er ist tot“, bestätigte Pirker.

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PRESSE & REZENSION


REZENSION

von Silvia Albrich

Ich bediene hier sicher ein Klischee, wenn ich meine: So wie für viele Männer Liebesromane wenig prickelnd sind, so sind Wirtschaft und Finanzen meist wenig prickelnde Themen für Frauen. Reinhard Kocznar aber gelingt es, in „Machtblind“ derart Spannung zu schaffen, dass es unerheblich ist, ob man sich bei den dubiosen Geschäften der Machthaberer (= Geldverschieber, Geldvernichter, Schuldenmacher) auskennt. Die Faszination des Geldes springt auch auf die Leserin über, die ja oft auch im wahren Leben machtblind ist („Macht und Geld machen bekanntlich den unattraktivsten Mann sexy“).

Machtblind sind jedenfalls Kocznars Protagonisten: Sie werden diffizil manipuliert und merken es nicht, im Gegensatz zum aufmerksamen Leser, der hier Einiges über geschickte Manipulation lernen kann. Der Ich- Erzähler Paul Prokop führt uns nicht nur durch das Gestrüpp dubioser Geschäftsmodelle, sondern auch durch das schöne Innsbruck samt seiner verzweigten Tiefgaragen, bisweilen führt er uns mit Zitaten in seine Welt der Literatur und des Films. Wir trinken mit Prokop feinsten Whisky, hören klassische Musik, streicheln seine Katze und freuen uns, dass er das Verwirrspiel, das ihm im Finale höchst gefährlich wird, doch noch unbeschadet klären kann. Denn gegen Ende gibt es einen Mord, eigentlich sind es zwei, denn ein untergetauchter Anwalt taucht als Leiche wieder auf und sein Auftraggeber Albert Heller wird ebenso stranguliert wie sein Geschäftsmodell. Der Täter war ein Mann im schwarzen Anzug – womöglich doch dieser Russki, der als dunkle Gestalt durch das Geschehen geisterte? Machen Sie nun nicht den Fehler, den Krimi rückwärts zu lesen – das würde Sie um viel Spannung und zudem vergnügliche Unterhaltung bringen.

Silvia Albrich, 2016


Tiroler Gegenwartsliteratur

von Helmuth Schönauer

Viele Kriminalfälle entstehen ja dadurch, dass die Wortwahl oft völlig divergierende Deutungen eines Sachverhaltes zulässt. Machtblind kann heißen, dass jemand wegen seiner Macht blind wird, oder aber, dass jemand gegenüber der Macht blind wird.

Reinhard Kocznar wählt zwar die Form des Kriminalromans, damit alles wenigstens halbwegs eine Ordnung hat, in Wirklichkeit aber beschreibt er das diffuse Treiben rund um mysteriöse Geschäfte, wo alles unsicher ist und nur Wörter wie Knarre oder Kohle Stabilität verheißen. „Er haute ab, als die Knarre sprach.“ (126)

Geld verschafft Macht, weshalb ein guter Geschäftsmann eigentlich immer ein Machtinhaber ist. Geld ist ein fiktionaler Wert, an den alle glauben müssen. Wer nicht richtig an das Geld glaubt, dem wird mit Gewalt zum richtigen Geldglauben verholfen.

Um diese Theorie herum entwickelt sich ein handfester Krimi, der mal in einen Innenhof der Provinzstadt Innsbruck führt dann wieder in die oligarchischen Gefilde ortsloser Hintermänner. Der Ich-Erzähler Paul Prokop ist Selfmade-Finanzgenie und saniert kaputte Firmen genauso, wie er grenzwertige Deals in peripheren Geschäftsfeldern abwickelt. Seine Spezialität sind sogenannte Mezzanin-Kredite, bei denen schon nach zwei drei Transaktionen nicht mehr klar ist, wer Eigentümer und wer Schuldner ist.

Prokop ist der ideale Mann für Albert Haller, der unter dem Deckmantel Handelsbeziehungen diffuse Geschäfte abwickelt. Als er sich dabei verrennt, soll Prokop den Karren aus dem Dreck ziehen. Aber da ist es schon zu spät, Albert Haller wird stranguliert im Innsbrucker Gewerbe- und Nuttengebiet Rossau aufgefunden. Jetzt kommt der Ehrgeiz des Erzählers in Schwung, er will die Hintergründe dieses strangulierten Geschäftsmodells offenlegen, zumal er von der Polizei verdächtigt wird, selbst Hand angelegt zu haben ...

Helmuth Schönauer


Kronenzeitung

von Philipp Neuner

Der Tiroler Krimi-Autor Reinhard Kocznar hat sich in seinem jüngsten Krimi in die Chefetagen großer Firmenkomplexe vorgewagt. Dort entdeckt er besorgniserregende Dinge...
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Philipp Neuner


Neue Südtiroler Tageszeitung

von Helmuth Schönauer

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Helmuth Schönauer

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