REINHARD KOCZNAR

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MACHTBLIND - Ein Innsbruck-Krimi

BRANDGELD

Ein Innsbruck-Krimi

Die Vermögensberaterin Helga Rofner liegt tot im Garten ihres Wohnblocks. Sie hat sich aus dem Fenster gestürzt. Ihr Nachbar, der Versicherungsmakler Paul Prokop, muss sie identifizieren, erkennt sie jedoch kaum wieder, da sie ihre Erscheinung vor dem Tod völlig verändert hat. Obwohl er sie zu Lebzeiten nicht sehr schätzte, glaubt er nicht an einen Selbstmord.

Helga Rofners Arbeit war das Geld anderer. Prokop vermutet, darin den Schlüssel für ihren Tod zu finden.

Er folgt ihrer Fährte in die Finanzwelt der folkloristisch verbrämten Alpenstadt Innsbruck. Die Suche führt ihn auf die Spur eines groß angelegten Finanzbetrugs, doch die Akteure scheinen unangreifbar zu sein. Prokop ist entschlossen, die Drahtzieher nicht mit dem üblichen Bauernopfer davonkommen zu lassen.
Leseprobe ...



Presse & Rezension

Tiroler Gegenwartsliteratur Tiroler Tageszeitung Kronenzeitung

Details

Brandgeld
ein Innsbruck-Krimi
Gmeiner Verlag 2014
312 Seiten
ISBN 978-3-8392-1599-9

LESEPROBE


Es klang wie das Knacken eines Funkgerätes, aber es gab hier keines. Ich setzte mich mit dem zweiten Espresso zu meiner Zeitung. Das Croissant war verzehrt, der Vormittag jung, und an einem Sonntag war der Vormittag Ewigkeit. Ich vertiefte mich wieder ins Politik-Ressort meines Leibblatts, für das ich nur an solchen Tagen wirklich die Zeit fand. Zwischendurch hörte ich wieder das Funkgerät knacken, und die blechern klingende Stimme, die dazu passte.

Beim dritten Espresso klingelte es. Wer kam um neun Uhr früh? Leise ging ich zur Tür. Durch den Spion sah ich zwei Uniformierte und einen Zivilisten. Ich zog Hose und Hemd an und öffnete. Die drei waren schon wieder auf dem Weg nach unten, der Zivilist kehrte um.

»Im Hof drunten liegt eine Leiche«, sagte er. »Können Sie sich die ansehen?«

»Natürlich«, antwortete ich automatisch und stellte fest, dass ich der Einzige war, der geöffnet hatte. Ich ahnte, um wen es sich handelte.

Es hatte ihn also doch erwischt, ein ehemaliger Hausbewohner, der vor seinem Verschwinden reichlich Unheil angerichtet hatte. Kürzlich war er im Kampfanzug in einem Tor in der Nähe gestanden. So hatte man ihn auch im Stiegenhaus angetroffen, regungslos wartend. Manche erschraken im Keller, wenn er plötzlich aus dem Dunkeln aufgetaucht war. Jetzt war er tot.

Wir gingen schweigend die Treppe hinunter. Wie war er zu Tode gekommen? Hatte es im Garten einen Kampf gegeben?

»Sie hat hier im Haus ihr Büro, es war nicht verschlossen. Jemand muss sie identifizieren«, sagte einer der Polizisten.

Ich ließ mir meine Verblüffung nicht anmerken. Fast erleichterte es mich, dass der Totgeglaubte noch lebte, andererseits war ich völlig überrascht, dass ausgerechnet sie im Garten lag. Helga Rofner hatte vor einigen Jahren hier ihr Büro gemietet. Wir waren Nachbarn und hatten noch vor einigen Tagen im Flur miteinander geredet.

»Sie ist vom obersten Stock aus dem Gangfenster hinuntergesprungen «, setzte der Zivilbeamte fort, »in den Morgenstunden.«

Ich zögerte, bevor ich durch die Türe trat.

Im Gras lag eine fast nackte Frau, Sie trug Slip und BH, um die Schultern eine Art Umhang, der zur Seite geweht war. Eigentlich hatte sie eine gute Figur. Das war mir nie aufgefallen. Sie lag auf dem Bauch, die blonden Haare verbargen das Gesicht.

»Ist sie es?«, fragte ein Polizist.

»Ja«, hörte ich mich sagen und stellte fest, dass ich Helga Rofner in der Leiche gar nicht erkannte.

Das besagte aber nicht viel, denn wenn wir uns im Treppenhaus trafen, trug sie ihren gewohnten dunklen Hosenanzug.

»Ich muss sie von vorn sehen«, sagte ich.

Die Polizisten nickten. Ich ging um sie herum.

Sie konnte es tatsächlich sein. Der Kopf wirkte grotesk. Er war offenbar beim Aufprall in die Länge gezogen worden. Über einem Auge verlief ein Riss. Es war kein Blut an ihr, die Augen starrten ins Leere.

»Sie ist mit dem Kopf auf die Wäschestange aufgeschlagen«, sagte der Zivilbeamte.

Ich war erleichtert. Der Riss über dem Auge, der tief in den Knochen reichte, stammte also von der Wäschestange. Sie musste sofort tot gewesen sein.

»Sie ist es«, bestätigte ich und ging zurück.

Im Treppenhaus setzte ich mich auf die Stufen.

»Ich hatte keine Ahnung, dass sie so nahe dran ist«, sagte ich mehr zu mir selbst.

»Geht es?«, fragte eine Polizistin mitfühlend.

»Natürlich«, antwortete ich und ging wieder nach oben.

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PRESSE & REZENSION


REZENSION

von Helmuth Schönauer

Geld hat ähnlich wie Wasser mehrere Aggregatszustände, es kann in seiner Veranlagung fest, flüssig und gasförmig sein. Wenn es seine Besitzer wechselt, wird es oft zu einem heißen Ding, zu Brandgeld eben.

Reinhard Kocznar beschreibt das kriminelle Treiben diverser Anleger in der Provinz anhand von heißem Geld, das als großer Bluff durch die Gassen der Provinzstadt Innsbruck verschoben wird. Der Fall tritt mit einem Knalleffekt zu Tage: Im Hause des Versicherungsmaklers und Ich-Erzählers Paul Prokop stürzt sich eine Frau in die Tiefe. Der Erzähler ist über die Tote sehr erstaunt, weil diese Frau Rofner, eine Vermögensberaterin, „in der Leiche gar nicht mehr als solche erkennbar ist“. Grund ist eine Behübschungsaktion vor dem Tod, die auf große Pläne hin deutet, nicht aber auf Suizid. Es liegt also Mord in der Luft.

In der Folge erleben wir den Versicherungsmakler als Ermittler und Aufdecker von Machenschaften in einem mittelständischen Kreis voller satter Typen, die ihre Kohle gelangweilt herumschieben wie früher Kinder das Fetzenleibchen. Gemeint ist immer ein Bürgertum, das in Innsbruck seit Jahrhunderten mit erhobener Nase den Ton angibt und sich mit regionalen Geschäften durch die diversen politischen Gegebenheiten laviert.

Jetzt im Schatten der Finanzblasen ist es offensichtlich üblich, Geld so lange zu veranlagen, bis es sich scheinbar in Luft auflöst. Hier setzt der Erzähler mit seinem thermisch-monitären Grundgesetz ein: „Im Weltall geht nichts verloren, Geld, das jemand nicht hat, hat eben ein anderer.“

Während der Recherchen tauchen immer skurrilere Typen auf, die von Ungarn oder Italien aus über die Drehachse Innsbruck die Geschäfte laufen lassen. Der Erzähler beschleunigt seine Aufklärungstour, die ihn an wichtigen Mahnmalen der Geschäftswelt vorbeiführt, hinter jeder gepflegten Fassade steckt ein arglistiges Geschäft.

Als noch eine zweite Tote in ähnlichem Ambiente aufgefunden wird, treibt es den Makler einem beschleunigten Ende der kriminellen Machenschaften entgegen. Die Lösung darf wie immer hier nicht verraten werden.

Reinhard Kocznars Innsbruck-Krimi blättert die Stadt in ihrer schelmischen Bösartigkeit lakonisch auf. Die Oberfläche wird ohne Kommentar zur Kenntnis gebracht. „Am Bozner Platz dealten die Marokkaner.“ Die Geschichte entwickelt sich vor allem aus griffigen Gesprächen, die immer wieder in sagenhaft deutlichen Anleitungen münden. „Ich muss dorthin gehen, wo das Geld liegt“. Für Analytiker des Zeitgeistes sind die Marken der Kleidung, Autos und Getränke aufschlussreich, so tickt selbstverloren eine Stadt, wenn sie nicht gerade ein provinzielles Highlight ausrichtet. Die Wahrheit lässt sich nur über das Auslesen von PC-Programmen, Abschnüffeln von USB-Sticks und Screen-Shots auf diversen Displays auslesen. Jede digitale Verschlüsselung endet in einer analogen Leiche.

Und unter dem Karst der Geschäftswelt wuseln stets die Geldströme und Zacken der Börsenkurse. Geld ist unsichtbar, geruchs- und geschmacklos, man muss es zuerst aus einem Tresor schöpfen, ehe man es verbrennen kann in jeder Bedeutung des Wortes. Brandgeld zeigt, was Geld alles anrichtet, wenn man es von den Falschen beaufsichtigt herumgeistern lässt.

Helmuth Schönauer 30/06/14


Tiroler Tageszeitung

Die Täter kommen nicht davon

Eigentlich ist Paul Prokop Versicherungsmakler, aber was er in Brandgeld erlebt, ist wohl eher die Sache eines professionellen Problemlösers. Aber von Anfang an: Seine Nachbarin Helga stürzt von der Dachterrasse, ein Selbstmord auf den ersten Blick. Als dann aber dunkle Anlagegeschäfte auftauchen, diesseits und jenseits des Brenners, wird die Angelegenheit interessant. Paul und seine Kumpel gehen der Sache auf den Grund und finden sich kurz darauf in einem dichten Filz von Macht und Geld in Innsbruck wieder. „Folge der Spur des Geldes“ ist ein guter Rat, der immer zu einem Ergebnis führt. So auch in diesem Fall.

Kocznars gelungener Krimi könnte überall spielen, in Innsbruck fühlt man sich gleich daheim und überlegt, wer könnte denn jetzt wieder gemeint sein?
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Christoph J Winder, TT vom 19.8.2014


Kronenzeitung

Die Täter kommen nicht davon

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Philipp Neuner


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