REINHARD KOCZNAR

BÜCHER & KALENDER


Im Detail


Draculina - ein erotischer Thriller

Draculina

ein erotischer Thriller

Draculina reloaded: Überarbeitete, neue Auflage, 156 Seiten, gebunden.

Reinhard Kocznar schickt seine Heldinnen und Helden in ein unauffälliges Set am Immobilienmarkt. Eine Dolmetscherin aus Rumänien soll den Besuch ihrer Gräfin vorbereiten, welche östlich von Wien eine Immobilie kaufen will. Dann passiert scheinbar gar nichts, aber richtig zusammengelesen berichten lokale Zeitungen, Passanten und eine rekonstruierte Festplatte von ungeheuerlichen Vorgängen. Polizeieinsätze in der Nacht, eine Tote in der Wohnanlage, und rätselhafte Schwächeanfälle scheinbar gesunder Personen lassen seltsame Zusammenhänge erahnen.

Ein unbekannter Akteur hinterlässt schließlich eine anonyme Niederschrift, welche aus seiner Sicht den wahren Ablauf der gruseligen Verbrechen dokumentiert.

Leseprobe ...

Presse & Rezension

Helmuth Schönauer hyperiondeathbionics

Details

Draculina reloaded
Ein erotischer Thriller
156 Seiten
ISBN 978-3-9502628-4-1

Preis: € 15,00

LESEPROBE


Sie überlegte wieder. Es ging ihr wie mir, das spürte ich deutlich. Sie musste auch einiges erlebt oder beobachtet haben, das sich nirgendwo einordnen ließ, was man besser für sich behielt, weil einem keiner glauben würde.

„Wie habt ihr euch kennen gelernt?“, setzte sie fort.

„Leonie und ich? Das war eigentlich kurios.“

„Kurios? Schon wieder etwas Kurioses? Warum denn das?“

„Ich habe fotografiert“, erklärte ich, „im Regen, ich wollte Spiegelungen fotografieren. Dabei ist sie mir vor
die Kamera gelaufen.“

Diese Erklärung irritierte mich plötzlich, aber Lou noch mehr. Sie hielt einen Augenblick die Luft an.

„Spiegelungen?“, fragte sie verstört und setzte hinzu, „hatten Sie dafür einen besonderen Anlass?“

„Es gibt Motive, die man nur bei Regen vor die Linse bekommt. Sie sind ausgesprochen stimmungsvoll. Ich habe davon schon eine beträchtliche Sammlung.“

Lou interessierte sich weder für Stimmungen noch für meine Sammlung. Sie dachte nach, und das gründlich. Dass mit Leonie etwas los war, worüber man mit niemand reden konnte, wussten wir also beide, und wohl nicht nur wir beide allein. Ein glücklicher Zufall hatte uns zusammengeführt. Sie zögerte nun nicht mehr.

„Aber Sie haben kein Bild, wo Leonie drauf ist“, stellte Lou fest.

Nun sahen wir einander an, und wir waren beide verstört. Nach einer Weile schüttelte ich den Kopf und sagte: „Nein, keines mit Leonie.“

Sie legte ihre Hand auf meinen Arm und sah mich mit durchdringendem Blick an.

„Sie werden jetzt nicht lachen, einen blöden Kommentar abgeben, aufstehen oder sonst etwas tun, wenn ich Ihnen etwas erzähle. Versprochen?“

„Versprochen“, bestätigte ich.

„Ganz sicher?“

„Absolut sicher. Reden Sie bitte.“

Ich ahnte, was ich nun zu hören bekommen würde, aber bevor ich es tatsächlich gehört hatte, wollte ich es nicht glauben. Lou musste sich überwinden, es auszusprechen. Sie gab sich einen Ruck.

„Man sieht Leonie nicht im Spiegel“, sagte sie leise.

---

Auf dem Weg zurück zu meinem Auto musste ich an dem Glasklotz vorbei, der vor dem Theater steht. Dort hatte ich vor einigen Tagen meine Regenbilder gemacht, die drauf und dran waren, mein Leben aus den Fugen geraten zu lassen. Am Anfang der Allee standen wie immer die Kutschen, die auf Fahrgäste warteten. Ich trat hinaus auf die Straße, um denselben Standort noch einmal zu überprüfen, von dem aus ich fotografiert hatte. Ich kam nicht so weit. Eine Frau mit hochgeschlagenem Mantelkragen blieb vor den Scheiben stehen und schaute hinein.

Sie spiegelte sich nicht.

Im hellen Tageslicht sah man es nun ganz deutlich. Mir lief es kalt über den Rücken. Nur mühsam löste ich mich aus meiner Erstarrung und setzte mich in Bewegung.

„Na“, sagte Leonie, als ich hinter ihr stand und sie mich im Spiegelbild sah, „zufrieden?“

Ich stand nun direkt vor der Scheibe, sah mich darin stehen und andere Passanten vorübergehen, aber Leonie war darin nicht sichtbar.

„Wie lange weißt du es schon?“, fragte sie und drehte sich zu mir.

Meine Kehle war wie zugeschnürt, ich brachte kein Wort heraus. Ihr Gesicht war noch bleicher geworden, und am Hals trug sie heute nichts. Zwei Punkte waren da zu sehen, als ob sie jemand gebissen hätte.

„Wer tut das mit dir?“, brachte ich endlich heraus, „und warum tust du nichts dagegen? Wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert.“

Leonie lachte kurz und fast hysterisch.

„Alles unter Kontrolle, oder? Ich auch, ich bin auch unter Kontrolle. Und es redet sich alles so leicht, nicht wahr?“

„Wie kann ich dir helfen?“

„Du? Du kannst nicht einmal dir selbst helfen. Aber ich mag dich. Fast hätte ich dich mit hinein gezogen. Versprich mir nur etwas.“

„Und was wäre das?“

„Halte dich von meinem Bruder fern. Ich weiß, dass er es gut mit mir meint, aber ich will nicht, dass er mir einen Holzpflock ins Herz treibt, wenn es so weit ist. Hat er sich schon an dich heran gemacht?“

Es war zu grotesk, sich das vorzustellen. Allerdings sah ich die Möglichkeit nun auch deutlich vor mir. Ich musste in das alte Haus und sehen, was dort vor sich ging.

„Ich werde tun, was ich kann“, sagte ich, „ich fürchte nur, dass das nicht mein Revier ist.“

Leonie schlang ihre Arme um mich und küsste mich auf den Hals.

„Du bist auch in Gefahr“, sagte sie, als sie mich wieder los ließ, „die Pillen helfen nicht gegen alles. Du hast die Bilder von mir. Sieh sie dir noch einmal an. Ich bin sicher irgendwo drauf, wo ich vor der Scheibe stehe. Zusammen mit den Originalnegativen sind sie ein Beweis. Auf dich kommt eine schwere Zeit zu.“

Sie lächelte, und ich sah, dass ihre Eckzähne ein wenig länger geworden waren.

„Du wirst mich nicht verraten“, meinte sie, „das weiß ich.“

„Natürlich nicht, aber warum bist du so sicher?“

„Wem kannst du das schon erzählen?“, sagte sie schnippisch, wandte sich ab und verschwand unter den
Touristen.

< Zurück zum Buch

PRESSE & REZENSION


REZENSION

von Helmuth Schönauer

Moderne Vampire saugen leise und weiblich! – „Draculina“ bringt endlich die Gender-Diskussion auch auf dem Horror-Sektor weiter.

Reinhard Kocznar schickt seine Heldinnen und Helden in ein unauffälliges Set am Immobilienmarkt. Eine Dolmetscherin aus Rumänien soll den Besuch ihrer Gräfin vorbereiten, welche östlich von Wien eine Immobilie kaufen will. Dann passiert scheinbar gar nichts, aber richtig zusammengelesen berichten lokale Zeitungen, Passanten und eine rekonstruierte Festplatte von ungeheuerlichen Vorgängen. Polizeieinsätze in der Nacht, eine Tote in der Wohnanlage, und rätselhafte Schwächeanfälle scheinbar gesunder Personen lassen seltsame Zusammenhänge erahnen.

Ein unbekannter Akteur hinterlässt schließlich eine anonyme Niederschrift, welche aus seiner Sicht den wahren Ablauf der gruseligen Verbrechen dokumentiert.

Es geht um Vampirismus. Wobei der moderne Vampirismus völlig alltäglich zu Tage tritt. Da kann eine Herzschwäche, die ein blutgerinnendes Mittel nach sich zieht, völlige Verwirrung bei den Vampiren auslösen. Einen Fotografen, der auf Regenaufnahmen spezialisiert ist, kann das Verschwinden von Figuren in Spiegelungen wahnsinnig machen, und plötzlicher Nebel und die spontane Ansammlung von Ratten deuten auf Vampirismus hin.

Ein Vampir muss bei seinem ersten Besuch bei seinem Opfer immer um Einlass bitten, wird dieser verweigert, hat das Opfer gute Chancen, heil davon zu kommen. Wehe aber, man lässt einen Vampir, in unserem Falle auch eine Vampirin (oder soll man von Vampeuse sprechen) einmal gewähren! Dann gibt es keine Rettung mehr, denn auch der berühmte Knoblauch als Abwehrkreis ausgelegt oder der Holzpflock mitten ins Herz des Unruhestifters getrieben, bringen nichts.

Im modernen Vampirismus wird auch mit transplantierten Herzen und Blutkonserven gearbeitet, bei der Menge an Transfusionen, die täglich anfallen, ist ein schleichender Vampirismus unabwendbar.

Hinter diesen fast an ein Überlebenscamp erinnernde Thesen steckt im Roman „Draculina“ freilich eine handfeste Handlung, der Plot jagt sich phasenweise selbst um die Ecke, auf jeder Seite tauchen überraschende Wendungen auf und die Dialoge sind in einer verbalen Handgreiflichkeit gehalten, dass man als Leser oft vergisst, in einem draculösen Gruselszenario zu sitzen.

Die Auflösung der blutigen Verquickung wird hier freilich nicht verraten.

Reinhard Kocznar hat erzähltechnisch fein ausgetüftelt etwas recht Seltenes geschafft. Er bedient sich frech eines Genres, ohne dies zu beschädigen und setzt ihm einen neuen Erzählpflock ins Herz. Er ironisiert die gängigen Versatzstücke der Dracula-Romane, und erweckt sie dadurch zu glaubhaftem Realismus. Er erzählt den Mythos aus rumänischen Zeiten in einem international verstrickten Sound moderner Geschäftstransaktionen. Und die Zweiteilung des Romans in einen vorderen Teil mit öffentlicher Wahrnehmung und einen hinteren Teil mit einem rasenden Kommentar eines Akteurs gibt dem Roman innen und außen einen schrillen blutigen Schliff. Der moderne Dracula-Roman ist also weiblich, hochtechnisiert und an der aufgeschnittenen Pulsader der Zeit!

Helmuth Schönauer 16/04/08


hyperiondeathbionics

Von Thomas Baldauf

Zur endlosen Flut an gothischen, wehmütig-verklärten und einander immer gleichenden Vampirromanen, welche in Wort und Inhalt versuchen, sich ganz und gar der Vergangenheit anzupassen, beziehungsweise, falls in der Gegenwart angesiedelt, in Ausdruck und Satzbau doch „viktorianisch“ und alt wirken wollen (was natürlich ebenfalls seine Berechtigung hat), stößt nun ein bemerkenswerter Roman namens „Draculina“ von Reinhard Kocznar.

Fernab jedes klassischen Clichés moderner „schwarzer Undergroundliteratur“ geht Kocznar einen herzerfrischend anderen Weg, zeichnet Charaktere und Schauplätze, die es genauso wirklich gibt und lässt seine namenlose Hauptfigur, welche uns die Geschichte in der ersten Person erzählt (mit Ausnahme von Tagebucheintragungen und Berichten), in rasendem Tempo einen Handlungskomplex, welcher im Hier und Jetzt angesetzt ist, durchleben, der uns das Buch verschlingen, aussaugen lässt. Spannung, Erotik und smarter Humor, der von aktuellem Gesundheitswahn (Die Vampirin verlangt vor dem Biss einen Bluttest) bis hin zu Lokalpolitik reicht, und mich während der Lektüre des öfteren laut auflachen ließ, können wohl als die wichtigsten Ingredienzien des Buches genannt werden, während – wie sonst im Vampirroman üblich – auf Seelenschmerz, Pathos und den „Fluch des ewigen Verlangens“ verzichtet wird, was „Draculina“ eine ganz neue Dimension verleiht, denn der Roman ist ein Thriller, in dem Vampire eine Rolle spielen, aber kein Roman der den Vampir als solches portraitiert.

In einer sympathisch realitätsnahen Umgebung wird der Heros wohl eher zufällig als geplant (Oder doch? Wer weiß? Die Fortsetzung wird Aufschluss geben) in eine Geschichte hineingezogen, deren Ereignisse ihn zwar ordentlich beuteln, doch nie die Kontrolle über sich oder das Geschehen verlieren lassen, und man hat den Eindruck, als wären die hier beschriebenen Vampire keine unrealen Wesen, vielmehr scheint es die Akteure nach einem ersten kurzen Unglauben gar nicht weiter zu verwundern, dass sie es hier mit Vampirismus zu tun haben.

Bei Kocznars Vampiren handelt es sich nämlich um eine von der Weltöffentlichkeit einfach noch nicht entdeckte (oder verschwiegene) Gattung, dem Menschen ähnlich, in manchen Punkten über- und in anderen wieder unterlegen. Die „Verwandlung“ des Vampirs in Nebel oder in eine Fledermaus wird hier zwar angedeutet, doch immer derart, dass man nie genau weiß, ob der Vampir sich tatsächlich verwandelt oder ob er nicht doch nur von seiner ungeheuren Suggestionskraft Gebrauch macht, so dass von den Helden ganz banale Dinge wie Mäuse in einem Hausflur oder eine Frau im Nebel in der Extremsituation der körperlichen und seelischen Bedrohung schlicht und einfach überbewertet werden. Solche Bilder entmystifizieren den Vampirkult nicht, doch bringen sie mehr Realität in die Thematik.

Die drei menschlichen Hauptcharaktere nehmen die Existenz der Blutsauger jedenfalls erfreulich leger, und warum sollten Sie auch nicht: Der Autor zeigt uns immer wieder, wie viele „vampireske“ Attitüden und Eigenschaften im „realen“ Leben existieren, denn wer kennt Sie nicht, diese „Leute, die wie ein schwarzes Loch alle Energie ihrer Umgebung aufsaugen“, oder solche Schicksalsfrauen, die einen mit ihrer stets suchenden, doch niemals findenden Leidenschaft in einen beinah undurchbrechlichen Bann ziehen können, und einen sich selbst ganz und gar vergessen lassen? Wer kennt nicht die Erotik, die das Bild zweier blitzender Zähne über einem straff gespannten Hals, kurz vor dem Eindringen, ausstrahlt? Gerade solche Faszinationen, die wohl jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben spürt, werfen ein ganz Neues Licht auf den Mythos der Vampire, und das Buch schließt, ohne den Zeigefinger zu heben, mit der sehr richtigen Moral, dass Leben in jeder Form möglich, nötig und wertvoll ist. Das Blut ist das Leben und das Leben ist gut.

t.a.b.


< Zurück zum Buch

REINHARD KOCZNAR


SCHRIFTSTELLER